Stück: „Till Eulenspiele“ in einer Fassung von Moritz Nikolaus Koch Theater: Theater für Niedersachsen Inszenierung: Moritz Nikolaus Koch Bühne: Lars Linnhoff Kostüm: Amelie Müller Musik: Oliver Niess Dramaturgie: Philipp Wegener Ensemble: Camila Cordero, Lene Jäger, Manuel Klein, Martin Schwartengräber, Paul Hofman, Simone Mende Fotos: Tim Müller Rollen: Till Eulenspiegel, Alexander von Humbold, Friedrich Hölderlin
Wer kennt nicht die Geschichten um Till Eulenspiegel, den berühmten mittelalterlichen Schelm, der halb Europa zum Narren gehalten hat? Seit Jahrhunderten treibt er sein Unwesen in unserem kollektiven Gedächtnis: Till mit der Narrenkappe, der mal derb, mal dreist, mal seiltanzend, aber immer augenzwinkernd und kritisch unterschiedlichsten Menschen den Spiegel vorhält. Till fordert heraus und stört gewohnte Ordnungen, er ist ein ewiger Künstler im Ringen mit der Obrigkeit – und er schreckt vor kaum etwas zurück, um seine Mitmenschen in ihren Ungereimtheiten zu entlarven. Till überlistet mit seinen Späßen nicht nur Autoritäten aller Art, als Sinnbild für alle Künstler_innen, die immer schon versucht haben, Ungerechtigkeiten anzuprangern. Sondern er schafft es auch, den kleinen Leuten noch eine kurze Ablenkung aus ihrem Alltag zu geben, und überlistet durch unser Wieder-Erzählen sogar den Tod. Vor allem aber bleibt Till ein zeitloser Verfechter von igenständigem Denken und ein lebendes Sinnbild für die Suche nach Gerechtigkeit in einer undurchsichtigen Welt.
Hildesheimer Allgemeine Zeitung: „Till Eulenspiegel ist in vielerlei Hinsicht ein gelungenes Theaterstück. Gerade die erste Hälfte erzählt eine emotionale Geschichte, vom Leben und Sterben, vom Kämpfen und Aufopfern im Bauernkrieg. Das verknüpft das Stück gekonnt mit Till Eulenspiegel als schwer greifbarem Impulsgeber, der die Saat des Unmöglichen in die Köpfe der Menschen setzt und aus den Köpfen sprießen lässt wie grünes Moos. Utopie oder Flausen? Diese Ambivalenz lässt das Stück durchaus zu und entlässt das Publikum mit der Frage: Was kommt da wohl jetzt?…Die Kostüme von Amelie Müller sind wunderbar, die Musik ist phantastisch, das Ensemble ist großartig. Vor allem Daniele Veterale und Camila Cordero sind als Till und Ule in der ersten Hälfte eine Bank… eine große Bühnenleistung.“ Björn Stöckemann